Partizipation als Diskurs
Keynote- Speakerin Sina Leipold (UFZ) beschreibt bei der PartWiss 25 das wissenschaftliche Feld der Partizipationsforschung aus Sicht einer Diskursforscher:in. Sie zeigt, das Narrative als Unterstützungsmechanismen des Gehirns dafür da sind, unser Leben einfach und managebar zu machen – als verkürzte Heuristiken.
Ein gängiges Narrativ der Partizipation basiert auf dem Ideal von Demokratie und Legitimität (Leipold et al. 2019). Es ist durch 5 Phasen gekennzeichnet:
- Exposition à Identifizierung der Herausforderung / Krise
- Rising Action à gemeinsames Planen, kreative gemeinsame Phase
- Climax à gemeinsame Antwort finden
- Declining Action à alle einbeziehen und die Zukunft besser gestalten
- Denoument à Erkenntnisse weiter tragen und ausweiten
Erschöpfung, Frustration, Verwirrung können dabei erfahrungsgemäß auftreten.
Um dies abzubilden, bildeten sich auch alternative Narrative der Partizipation mit unterschiedlichen Konsequenzen:
- Verwaltungsritual als Routine der Legitimität in vorstrukturierten Räumen der Verwaltung: Idealistische Forschende können vereinbart werden.
- Machtspiel innerhalb des Partizipationsprozesses beschreibt die Schwierigkeit der Arbeit auf Augenhöhe zwischen verschiedenen Akteuren. Das kann zu Desillusionierung und Rückzug der Beteiligten führen.
- Kommunikationsstrategie: Räume, die Teilnehmer:innen eher als Zuhörer:innen behandeln.
- Zumutung und Lernraum: Wenn Bürger:innen auch mitgestalten können, wer eingeladen wird etc., dann können sich neue Räume öffnen. Dies ist für die Forschenden und die Koordinator:innen sehr anspruchsvoll, weil viele Interessen balanciert werden müssen. Die Offenheit des Prozesses kann dann zu sozialem Lernen führen, in dem sich die Perspektiven der Beteiligten in diesem unbequemen Prozess (einer Zumutung?) ändern können.
Wie aber damit umgehen als Forschende?
Die Forschung sollte sich selbst nicht nur als „Bühnenbereiterin“ begreifen, sondern als aktive Akteurin, die Entscheidungen über „betroffene“, Wissenshierarchien etc. treffen. Die Stärken, Risiken und Effekte von den verschiedenen Rollen und Interaktionen sind nur bedingt erforscht. Sina Leipold gab einen Einblick in die Studienlage:
1. Zur Frage: Was können wir tun?
- Technologies of Humility: Reflexive Haltung anstatt Vorschläge
- Responsible Research and Innovation: Nicht nur Wissen liefern, sonder Folgen bedenken
- Reflexivität zweiter Ordnung: Wie haben wir das Gespräch gerahmt?
- Nein sagen: Nicht jeden Prozess mit initiiert und begleitet, sich nicht integrieren
2. Zur Frage: Was können wir hingegen NICHT tun?
- Burden of Participation: Strukturelle Ungleichheiten und fehlende Ressourcen führen zur reinen Ligitimiertung
- Irresponsible Innovation: Reflexive Verantwortung ist wertlos, wenn die strukturellen Vorraussetzungen und der Wille zur Veränderung fehlt.
- Neoliberale Gouvernmentalität: die Bedingungen für die Forschenden (Zeit, Geld, Anerkennung) sind zu schlecht für solche Prozesse und führen zur neoliberalen Selbstregulierung.
- Responsibilizaton: Verantwortung wird von Staat und Institutionen auf das Individum und auf Communities abgeschoben abgeschoben.
Sina Leipold folgerte, dass ein neues gemeinsames Narrativ in der Forschung notwendig ist, das die Umstände und Bedingungen für Partizipation beschreiben, um die Grenzen und Bedingungen klarzustellen und sich gemeinsame Guidelines für Partizipation zu geben. Dadurch könnten sich auch negative Narrative der Partizipation vermeiden lassen.
