Demeter - Imkerei: zwischen Zukunftsfragen und Erfolgen 

"Eigentlich können wir immer nur daran arbeiten, dass wir unsere Fragen besser stellen können." (Michael Weiler auf der Demeter Tagung 2015)  - (c) Jana Bundschuh
"Eigentlich können wir immer nur daran arbeiten, dass wir unsere Fragen besser stellen können." (Michael Weiler auf der Demeter Tagung 2015) - (c) Jana Bundschuh

respektvoll - konsequent - wertvoll. So schreibt sich die Demeter - Imkerei auf die Fahnen. Seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Richtlinien dazu im Verband: Zeit für Rückblick und Ausblick auf viele drängende Fragen der wesensgemäßen Imkerei. 

Ohne Zweifel haben einige wenige Pioniere auf dem Feld der wesensgemäßen Bienenhaltung (oder Bienenpflege, wie viele hier engagierte Imker ihre Tätigkeit liebevoll nennen) einen großen Unterschied gemacht. Ohne sie hätten wir heute keinen Bienen - Trend in den Städten, keinen Fokus auf 'blühende Landschaften', wahrscheinlich viel weniger junge Imkerinnen. 

Auf der Bühne in Kassel, auf der sich bei Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion alles darum drehte, was die Honigbiene braucht, tauschten sich diese Pioniere mit Vertretern der anthroposophischen sowie Mainstream - Bienenforschung, mit Tierethikern und Vertretern anderer Imkerverbände (DIB) aus. Leider bestand diese Runde nur aus Männern jenseits der 40 Jahren - eine strukturelle Nicht - Vielfalt, die hoffentlich auf der nächsten Tagung anders sein wird. Eine sehr offene und respektvolle Haltung prägte den Austausch. Und gute Fragen zum 'Tierwohl', zum 'Wesen' der Biene, zu aktueller Forschung wurden gestellt. 

Was aber bedeutet es dabei, konsequent zu sein? Kann eine wesensgemäße Bienenhaltung nur ohne Gewinninteresse und in kleinen Freizeitbetrieben gelingen? Einige junge Demeter Imker in Deutschland fordern, bestimmte Aspekte der Richtlinien, zB das Imkern ohne Absperrgitter, auf den Prüfstand zu stellen. Sie stehen hinter den Prinzipien der Demeter Imkerei (Imkern mit dem Schwarmtrieb und auf Naturwabenbau), sehen sich aber im kommerziellen Bereich zu großen Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt.

 

Dabei stellt sich die Frage des Preises. Wieviel sind die Kunden bereit, zu bezahlen, um wesensgemäße Imkerei zu belohnen? Unzweifelhaft ist Demeter ein Label, das vor allem ein Versprechen gegenüber dem Verbraucher darstellt. Bedeutet dieses Versprechen, dass die Produkte aus unkommerziellen Betrieben kommen? Sicherlich nicht. Trotzdem - in Deutschland leben lediglich zwei Betriebe von der Demeter Imkerei. Dabei sind ca. 60 zertifiziert. Und im Verhältnis zu den ca. 160 Betrieben weltweit ist das sehr viel. Aber - sollte man nicht mehr Wert darauf legen, mehr zu werden um ein größeres politisches Gewicht zu bekommen? 

Antworten auf diese Fragen wurden auf der Tagung keine gegeben; sondern nur Positionen deutlich und so die Grundsteine für eine weitere Diskussion gelegt.

BeeObserver bewundert die wesensgemäße Bienenhaltung vor allem dafür, konsequent zu sein und oftmals gegen großen Gegenwind ihre von Empathie, Achtung und Dankbarkeit geprägten Grundhaltungen zu vertreten und möchte dabei uneingeschränkt unterstützen. Problematisch ist eher die Ignoranz hinsichtlich basaler Bienen-Verhaltensweise in den Richtlinien der anderen Bio-Verbände. Würden hier der Schwarm-  und Bautrieb mehr berücksichtigt, könnten sicher auch an größeren Betrieben interessierte, aber von ihren Überzeugungen hier nicht hineinpassende Imkerinnen Anschluss finden. 

 

Genauso bewundernswert aber ist die Fähigkeit, immer wieder genau hinzusehen und - ganz im Sinne des Demeter - Fachberaters für Imkerei Michael Weiler - bessere Fragen zu stellen. Und genau darum muss es in der nächsten Zeit bei Demeter sowie überall gehen. 

Winterverluste eindämmen - aber wie?

Bei der Eröffnung der Jahrestagung der Institute für Bienenkunde 2015 in Münster formulierte der Präsident des Deutschen Imkerbundes Peter Maske seine Sicht auf nötige Forschung zu Honigbienen, die Imkern die praktische Arbeit erleichtern könnte:

Neue Erkenntnisse über Viren seien notwendig, um Imkern die praktische Arbeit zu erleichtern, anstatt sie hilflos der Diagnose gegenüber zu stellen. Was bedeutet es, wenn in einem Volk bestimmte Viren nachgewiesen werden können? Welche imkerlichen Reaktionen sind passend? Im letzten Jahr wies er an dieser Stelle auf die Bedeutung der Varroa für die Winterverluste hin. Tenor war aber wieder: insgesamt sollte sich die Forschung mehr auf die Frage fokussieren, wie überwinterungsfähige Völker aufgebaut werden können. 

Einen Einsatz eines chemischen Produktes (bzw. weiterer - Anm. des Verf.) schloss er dabei nicht aus. Obwohl es stimmt, dass - wie Herr Maske argumentierte - damit viele bisher schon angewandte Verfahren "aus der Illegalität herausgeführt" würden, wird hier nicht nur die Hilflosigkeit der Imkerschaft hinsichtlich nicht vorhergesehener Völkerverluste deutlich, sondern auch die grundsätzliche politische Einstellung des Deutschen Imkerbundes. 

Aus Sicht von BeeObserver sollte viel mehr Wert auf die Ausarbeitung besserer Diagnose - Möglichkeiten hinsichtlich des Zustand von Bienenvölkern hingearbeitet werden, damit Imkerinnen vor allem in der Begleitung ihrer Völker nach dem Sommer unterstützt werden. Denn letztendlich sind viele Verluste auf Fehleinschätzungen und ausbleibende Handlungen der Imker zur Rettung ihrer Völker zurückzuführen.

Viele politische Statements - fehlende Ideen? Das lässt das Programm der Tagung nicht vermuten, die Frage ist nur, in welche Richtung diese Ideen gehen. 

Importverbot von Bienen und Bienenprodukten aus Italien?

Larven von Aethina tumida auf dem Boden eines befallenen Volkes im vergorenen Honig.         (c) S. Spiewok
Larven von Aethina tumida auf dem Boden eines befallenen Volkes im vergorenen Honig. (c) S. Spiewok

Um solche Bilder zu verhinden, haben Malta und die Schweiz ein Importverbot von Bienen und Imkereiprodukten aus Süditalien beschlossen. Dort war im September 2014 der Kleine Beutenkäfer (Aethina tuminda) aufgetaucht. Jetzt besteht die Möglichkeit, dass er sich in Europa ausbreitet. Italien ist aufgrund des milden Klimas ein Export-Land in der Imkereibranche. Welche Konsequenzen wird ein Importverbot hier haben?

Viele Kunstschwärme (junge Bienenvölker) werden nach der Überwinterung in milden Lagen schon ab Februar wieder zurück ins nördlichere Mitteleuropa gebracht. Diese Völker, die schon früher mit der Aufzucht von jungen Bienen begonnen haben, können so stärker ins Jahr starten und sollen größere Erträge bringen - vor allem beim Rapshonig. Auch italienische Königinnen werden gerne aus Deutschland und anderen Ländern gekauft und per Post verschickt, denn Italien eignet sich wegen einer langen Begattungsperiode sehr gut für die Königinnenzucht.

Sobald mit den kleinen Beutenkäfer geimkert werden muss, tauchen vielfältige Herausforderungen für die Imkereien auf (siehe hier). Auch ist klar, dass er der Bienengesundheit nicht zuträglich sein wird, da er auch Viren (z.B. DWV) übertragen kann (Eyer 2008 in Hood 2011). Also sollte die Ausbreitung verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Sind dafür Handelsbeschränkungen sinnvoll?

Um Bienen über europäische Grenzen zu bringen, ist schon jetzt ein Gesundheitszeugnis und eine Seuchenfreiheitsbestätigung notwendig (TRACES 2015). Mit dem kleinen Beutenkäfer gibt es aber auf diagnostischer Ebene noch wenig Erfahrung. Auch die zuständigen Veterinäre dürften zu Beginn einer neuen Bienenkrankheit noch überfordert sein. Ob sich der kleine Beutenkäfer in kälteren Regionen schnell ausbreiten wird, ist strittig. Klar ist jedoch, dass er die kalten Wintermonate in der geheizten Wintertraube der Bienen überlegen kann (National Bee Unit 2014). Das Importverbot für Malta (Times of Malta 2014) scheint aufgrund des ähnlichen Klimas, sinnvoll zu sein, aber auch andere Länder denken darüber nach oder haben schon gehandelt wie die Schweiz.

Ist ein Importverbot also eine gute Lösung? Dem Präsidenten des Schweizer Imkerverbandes geht die jetzige Lösung nicht weit genug (NZZ 2015). Er findet, dass nur durch ein generelles Importverbot von Bienen eine Ausbreitung verhindert werden kann. Auch in Großbritannien fordern einige Imker einen Import-Stopp (beekeepingforum 2015). Ein Vorteil eines geringeren Handels mit Bienenvölkern könnte auch langristig eine größere genetische Vielfalt durch angepasste lokalen Linien, sogenannten 'Landrassen' der Honigbiene sein.

Viele große Imkereien, die einen (Re-)import von Völkern fest in ihre Betriebsweise integriert haben, müssten dann ihr Vorgehen überdenken. Oft arbeiten sie mit Partnerbetrieben in Italien zusammen. Für diese italienischen Betriebe wäre es fatal, wenn plötzlich alle mitteleuropäischen Kunden wegfielen. Sicherlich werden auch heute nicht alle Transporte von Bienenvölkern oder Königinnen auf dem offiziellen Wege durchgeführt. Bei einem staatlichen Importverbot wäre viel Aufmerksamkeit und Beratung notwendig, damit der Handel nicht nicht noch unüberschaubarer wird. Diejenigen Betriebe, die häufig Völker aus Südeuropa zukaufen oder dort überwintern, müssten bei der Umstellung unterstützt werden.


Quellen

Artikel und Studien


Brown, Mike; Learner, Jason (2014): National Bee Unit (Hg.). The small hive beetle Aethina tumida. 09/2014.


Eyer, M. Chen, Y., Pettis, J.S., Newmann, P. (2008). Small hive beetle, Aethina tumida, is a potential biological vector of honeybee viruses. Apidologie. 40; 419‐428.


Hood, Wm Michael (2011): Handbook of Small Hive Beetle IPM. Clemson University, South Carolina.


NZZ, Neue Zürcher Zeitung (2015): Neue Gefahr für Schweizer Bienen. online, 16.01.2015


Spiewok (2015): Erste Importverbote in Europa. Deutsches Bienenjournal online, 21.01.2015


Times of Malta (2014): Bee imports from Southern Italy stopped. online, 19.11.2014


Internetquellen

Beekeepingforum (2015): Beitrag auf beekeepingforum.co.uk, 13.11.2015

Traces (2015): Homepage, Stand 21.01.2015


Bildnachweis

Sebastian Spiewok, www.bienenjournal.de, Stand 24.01.2015

Imkerinnen - Block bei Demo in Berlin

Wir haben es satt - Demonstrationen, 17.2.15, Berlin
Wir haben es satt - Demonstrationen, 17.2.15, Berlin

Viel Rauch - nicht um nichts: Imkerinnen in weiß machen Dampf bei der großen 'Wir-haben-es-satt' Demo im Berlin. 


Unter den ca. 50.000 Menschen auf der Straße (nach Angaben der Veranstalter), waren auffällig viele Imkerinnen mit ihren Arbeitsgeräten, Smokern und Schleiern. 


Viele Liebhaber der Imkerei sowie berufsmäßige Imkerinnen waren nach Berlin gereist, um ihre Anliegen deutlich zu machen. Auch Vertreterinnen der beiden Imkerverbände DIB und DBIB sowie mellifera e.V. waren auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor mit Redebeiträgen auf der Bühne. Dieses gemeinsame Auftreten und die Vernetzung zwischen allen Bienenfreunden war eine Besonderheit. Gemeinsame Forderungen sind u.a. mehr blühende Flächen in der Landschaft, vor allem auch zum Herbst hin, eine abwechslungsreiche Landschaft, keine Gentechnik auf den Feldern und faire Preise für Honig und andere Bienenprodukte.