Honigbienen- und Insektenforschung

Wer hätte das gedacht?

Viele Erkenntnisse zu Honigbienen, zum Beispiel wie sie sich orientieren, was sie wahrnehmen, wie sie sich fortpflanzen, wurden erst in den vergangenen Jahrzehnten erlangt. Und die Entdeckungs - Reise ist noch lange nicht zu Ende...

Hefen im Honig: geringere Honigqualität? (Tagungs-News)

Hefen kommen natürlicherweise im Honig vor, da sie überall in der Umwelt vorhanden sind. Bei Honiguntersuchungen wurden aber auch besonders große Hefezellen im Honig-Sediment gefunden, die zur Bäckerhefe (Saccharomyces cerevisiae) gehören. Diese findet laut Forscherinnen des Agroscope Zürich ihren Weg ins Bienenvolk, indem sie von einigen Imkerinnen bei der Zubereitung von Futterteig nach überlieferten Rezepten zugesetzt wird.

Die Schweizer Forscherinnen Christina Katz und Alexandra Roetschi konnten im Fütterungsversuch im Freiland zeigen, dass die Hefen im Bienenvolk verbleiben und in geringen Mengen auch noch im Herbst nachweisbar sind. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Imkermeinung tragen die Honigbienen also ihr Winterfutter bei Platzbedarf auch von den Waben des Brutraumes in den später zusätzlich aufgesetzten Honigraum um und nehmen außerdem auch mehr Futterteig ab, als sie aktuell zur Eigenversorgung benötigen.

Im Honig überlebt die Bäckerhefe nicht lange, ist daher also auch nicht für die frühzeitige Gährung von Honigen verantworlich. Jedoch ist ein höherer Nachweis von Bäckerhefe im Honig ein Hinweis auf Honigverfälschungen durch Zufütterung von Futterteig im Winter, Frühjahr oder in Trachlücken.

Für Imkerinnen gilt also: kurz vor der Tracht nur vorsichtig und lieber kleinere Mengen zufüttern, um hungernde Bienenvölker zu vermeiden. Sollte dies nicht möglich sein, können die Völker nicht für die diesjährige Honigproduktion verwendet werden.

Außerdem ist aus Sicht von BeeObserver empfehlenswert, einfach vollständig auf den Zusatz von Hefen, Zitronensaft und ähnlichen Produkten im Futterteig zu verzichten!

Bienenpflanzen im Garten? (Tagungs-News 2017)

Bisher ist sehr wenig über die Nutzung von Zierpflanzen als Nahrungsquelle für Insekten bekannt ist. Dennoch werden einige Pflanzen gezielt als Bienenpflanzen etc. angepriesen. Doch was steckt dahinter?

Mit einer klassischen Beobachtungsstudie will sich Lea Kretschmar dem Problem annähern.

 

Informationen zur Nutzung von Garten- und Zierpflanzen durch Insekten liegen bisher meist auf Artebene vor – wenn überhaupt. Bei Zierpflanzen, deren Farbe, Geruch und Wuchs sich durch Züchtung innerhalb der Art sehr stark unterscheiden können, ist aber offenbar auch die Sorte wichtig: So zeigte sich z.B., dass die weißblühende Bidens Pirates Pearl White ihren rotblühenden Artgenossen weit überlegen ist in der Attraktivität für Bestäuberinsekten.

 

Lea beobachtete 35 verschiedene Insektenarten an mehr als 140 Sorten – die insbesondere 6 Arten angehören (Bidens ferulifolia, Calibrachoa, Dahlia, Euphorbia hypericifolia, Salvia und Scaevola.

Von pollenfressenden Wespen (Tagungs - News 2017)

Volker Maus vom Zentrum für Wespenkunde in Michelfeld berichtete im Hauptvortrag der AG Tagung für Bienenkunde 2017 über die Biologie und Ökologie von Pollenwespen (Masarinae, insbesondere Celonites, Ceramius). Die Tiere leben ähnlich wie Solitärbienen und haben je nach Art sehr unterschiedliche Merkmale hinsichtlich

 

- ihres Nestbauverhaltens

- ihres Tagesablaufs

- welche Arten ihnen als Nahrungsquelle dienen (oft nur ganz bestimmte Arten, sogenannte Oligolektie)

- welchen Pollen sie fressen (von noch fast geschlossenen bis zu offenen Blüten)

- ihres Saugrüssels

Selbst das Schlafverhalten der Männchen varriert besträchtlich zwischen den Arten: Oft schlafen die Männchen in den Nestern der Weibchen, ob sie dabei das Nest auch wechseln ist ungeklärt. Viele Männchen übernachten aber auch in Blüten. Dabei bilden sie auch sogenannte „Schlafgemeinschaften“, bei denen sich 4-6 Männchen um eine Pflanze winden und gemeinsam ruhen. Warum sie das tun, ist bisher unklar.

Bienenforschung muss public und postdisziplinär werden

Was interessiert Euch an Euren Bienen? Welche Geheimnisse konntet ihr Ihnen noch nicht entlocken? Was sagt das imkerliche Gefühl - und hat es Recht? Auch die nicht-imkernde Gesellschaft hat ein Interesse an Bienen und Bestäuberinsekten, denn sie bilden einen eindeutigen Bezug zwischen Menschen (selbst den in der Stadt lebenden, computeraffinen Individuen) und der natürlichen Umwelt. Und: Bienen sind anders. Und was anders ist, wirft Fragen auf. Zu welchen Dokumentationen, zu welcher Genauigkeit, zu welcher Auswertung habt ihr im Alltag zu wenig Zeit? Genau das sind die Fragen, die Eingang in die Wissenschaft finden müssen.

(c) Bundschuh 2017 - vgl. Selke, Stefan:  Die Suche nach der unbekannten Insel
(c) Bundschuh 2017 - vgl. Selke, Stefan: Die Suche nach der unbekannten Insel

Denn Forschung im Elfenbeinturm funktioniert schon seit Jahren nicht mehr. Die Alternative, eine "öffentliche Forschung", wie sie in vielen Disziplinen, z.B. in den Sozialwissenschaften, der Geographie und der Ethnologie seit einigen Jahren en vogue ist. Dieser "public turn", der aus dem englischsprachigen Raum viele unserer althergebrachten Disziplinen überflutet hat, funktioniert nur dann, wenn auch in den Instituten und den Naturwissenschaften "ohne Geländer" gedacht wird, wie schon Hannah Arendt es sich vorstellte. Und zwar nicht nur inhaltlich, sondern vor allem methodisch. Und um methodisch seine Geländer loszulassen - obwohl man sie doch so gut kennt - und auch andere Geländer zu sehen, dazu braucht es Mut. Echtes Grenzgängertum ist äußerst selten. Die Gefahren, die junge Wissenschaftlerinnen dabei auf sich nehmen, reflektiert Stefan Selke in seiner Rede auf der Tagung "Inter - Multi - Trans: Wissenschaftsförderung und Disziplinäre Grenzüberschreitungen". Er nennt das, was fehlt und im Rahmen einer wissenschaftlichen Karriereplanung so schwierig ist, nicht aus den Augen zu verlieren, "Die Suche nach der unbekannten Insel".

Mein Wunsch ist, dass bei dieser Suche, die jeden Forschergeist bewegt, von Anfang an auf gemeinsames Vorankommen gesetzt wird. Und das gilt schon bei der Festlegung, an welchen Themen überhaupt geforscht wird. Diese Partizipation in der Anfangsphase hat aber einen Nachteil: Sie muss schon während der Projektentwicklung mitgedacht werden. Das "Denken mit fremden Gehirnen", wie Selke die Anstrengung einer Grenzgängerin nennt, braucht immer Zeit, Energie und Emphatie. Und vor allem der Faktor Zeit korreliert leider stark mit dem zu Projektbeginn noch nicht vorhandenen Faktor Geld, also der Bezahlung der denkenden Menschen. Aber: öffentliche Forschung sollte dem öffentlichen Interesse dienen. Und die Forschung an Bienen ist ein öffentliches Interesse - aber nur, wenn die Öffentlichkeit gefragt wird, welche Themen Bürger, Imkerinnen und Wissenschaftler interessieren. Und wenn die Ergebnisse auch ankommen. Das kann in Form von Blogs, Romanen, Vorträgen oder Kunst passieren. Jeder Weg, der diese Feedback-Schleife von Forschung und Gesellschaft fördert, ist wichtig.

Erst wenn Wissenschaft postdisziplinär wird, kann sie ihre transformative Kraft entfalten - und zu einer besseren Welt für uns und die Bienen führen. Weil wir dann mehr von dem wissen, was wir wissen wollen.


Selke, Stefan (2017): "Die Suche nach der unbekannten Insel". Beitrag im Rahmen der Tagung „Inter – Multi – Trans: Wissenschaftsförderung und disziplinäre Grenzüberschreitungen“, die von der Schader-Stiftung in Kooperation mit dem Arbeitskreis Wissenschaft und Forschung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen am 1. Februar 2017 veranstaltet wurde. (online verfügbar am 1.3.2017)

Diversität der Fachbereiche: Honig- und Bienenforschung ist keine reine Biologie

Eindruck von der Konferenz. Robert Paxton spricht darüber, dass viele Viren bei Honigbienen, Hummeln und solitären Bienen vorkommen. (c) Jana Bundschuh 2015
Eindruck von der Konferenz. Robert Paxton spricht darüber, dass viele Viren bei Honigbienen, Hummeln und solitären Bienen vorkommen. (c) Jana Bundschuh 2015

Dieses Jahr wurde es besonders deutlich: Die Bienenforschung ist interdisziplinär und international. Die 190 Teilnehmerinnen der Fachkonferenz "Jahrestagung der Institute für Bienenkunde 2015" kamen aus vielen Bereichen. BeeObserver aktualisiert deshalb seine Übersicht über Akteure der Bienenforschung und fügt einen internationalen Überblick über die Forschungslandschaft hinzu (hier).

Dieses Jahr wurde es besonders deutlich: Die Bienenforschung ist interdisziplinär und international. Die 190 Teilnehmerinnen der Fachkonferenz "Jahrestagung der Institute für Bienenkunde 2015" kamen aus vielen Bereichen. BeeObserver aktualisiert deshalb seine Übersicht über Akteure der Bienenforschung und fügt einen internationalen Überblick über die Forschungslandschaft hinzu (hier).

Hier einige Beispiele:

  • Die Chemiker der TU Dresden stellten ihren neuen Ansatz zur Klassifizierung und Unterscheidung verschiedener Honigarten vor, um auf einen sicheren Nachweis von Verfälschungen auch bei gefilterten und damit pollenfreien Honigen hinzuarbeiten.

  • Michael Eyer von Agroscope Bern versucht, die Einlagerungsprozesse von Zuckerlösung im Bienenvolk mittels einer Untersuchung des Volkes mit diagnostischer Radiologie (MRT) besser zu verstehen.
  • Das Bee Research Institut al Dol in der Tschechischen Republik stellte seine Ergebnisse über die Invertzuckersirupfütterung vor. Es ist nicht wissenschaftlich gesichert, dass - wie Angaben vieler Hersteller behaupten - die Einfütterung der Bienen mit einem speziellen invertierten Bienenfutter, zu besserer Bienengesundheit führe. Zu wenig sei über den Aufspaltungsprozess von Saccarose bekannt.
  • Lea Böttinger berichtete über ihre Beobachtung zu Drohnensammelplätzen vor Völkern einer stachelloser Bienenart (Scaptotrigona depilis) in Brasilien. Es handelt sich hier um eine Zusammenarbeit der Universitäten Tübingen (Brasilienzentrum), Ulm, Hohenheim und Sao Paulo.
  • Ein Lebensmittelanalytiker eines Veterinäruntersuchungsamtes fasste den aktuellen Forschungsstand zu PAs (Pyrolycidin-alkaloiden) in Honig zusammen und wies auf seine alltäglichen Probleme in diesem Zusammenhang hin.

Auch die Agrarkonzerne BASF SE, DuPont und Bayer Animal Health waren vertreten, um die neuesten Entwicklungen an den anderen Forschungseinrichtungen mitzubekommen. Auch anwesend waren die kommerziellen ökotoxikologische Prüfinstitute Eurofins Agroscience Services EvoChem GmbH, Tier3 Solutions GmbH und Rifcon GmbH. In einigen Kurzvorträgen wurden von die von Instituten und kommerziellen Versuchswesen im Auftrag der Konzerne durchgeführte Halbfreiland- und Freilandversuche vorgestellt, in denen keine negativen Auswirkungen von Neonicotinoiden auf Bienenvölker, Hummeln und Mauerbienen festgestellt werden konnten.

Eindruck von der Konferenz. Robert Paxton spricht darüber, dass viele Viren bei Honigbienen, Hummeln und solitären Bienen vorkommen. (c) Jana Bundschuh 2015
Eindruck von der Konferenz. Robert Paxton spricht darüber, dass viele Viren bei Honigbienen, Hummeln und solitären Bienen vorkommen. (c) Jana Bundschuh 2015

Winterverluste eindämmen - aber wie?

Bei der Eröffnung der Jahrestagung der Institute für Bienenkunde 2015 in Münster formulierte der Präsident des Deutschen Imkerbundes Peter Maske seine Sicht auf nötige Forschung zu Honigbienen, die Imkern die praktische Arbeit erleichtern könnte:

Neue Erkenntnisse über Viren seien notwendig, um Imkern die praktische Arbeit zu erleichtern, anstatt sie hilflos der Diagnose gegenüber zu stellen. Was bedeutet es, wenn in einem Volk bestimmte Viren nachgewiesen werden können? Welche imkerlichen Reaktionen sind passend? Im letzten Jahr wies er an dieser Stelle auf die Bedeutung der Varroa für die Winterverluste hin. Tenor war aber wieder: insgesamt sollte sich die Forschung mehr auf die Frage fokussieren, wie überwinterungsfähige Völker aufgebaut werden können. 

Einen Einsatz eines chemischen Produktes (bzw. weiterer - Anm. des Verf.) schloss er dabei nicht aus. Obwohl es stimmt, dass - wie Herr Maske argumentierte - damit viele bisher schon angewandte Verfahren "aus der Illegalität herausgeführt" würden, wird hier nicht nur die Hilflosigkeit der Imkerschaft hinsichtlich nicht vorhergesehener Völkerverluste deutlich, sondern auch die grundsätzliche politische Einstellung des Deutschen Imkerbundes. 

Aus Sicht von BeeObserver sollte viel mehr Wert auf die Ausarbeitung besserer Diagnose - Möglichkeiten hinsichtlich des Zustand von Bienenvölkern hingearbeitet werden, damit Imkerinnen vor allem in der Begleitung ihrer Völker nach dem Sommer unterstützt werden. Denn letztendlich sind viele Verluste auf Fehleinschätzungen und ausbleibende Handlungen der Imker zur Rettung ihrer Völker zurückzuführen.

Viele politische Statements - fehlende Ideen? Das lässt das Programm der Tagung nicht vermuten, die Frage ist nur, in welche Richtung diese Ideen gehen. 

Tagung: Bienenforschung 2015

Diese Woche tagt wieder einmal die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung. Bei diesem jährlichen Treffen tauschen sich Wissenschaftlerinnen aus all denjenigen Universitäten und Instituten aus, die zu Honig- und Wildbienen forschen. Auch Gäste aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz sind vertreten. BeeObserver wird live und vor Ort über interessante Neuigkeiten berichten.


Die Tagung zeichnete sich schon in den vergangenen Jahren durch viele studentische Beiträge aus, die hier wertgeschätzt und reflektiert werden. Die Postersession zeigt auch diejenigen Forschungsvorhaben, die nicht durch einen Vortrag vertreten sind.


Die Tagung findet vom 24. bis 26. März 2015 in Münster statt.

Interessierte sind herlich willkommen. Weitere Informationen finden Sie hier.