Viele Erkenntnisse zu Honigbienen, zum Beispiel wie sie sich orientieren, was sie wahrnehmen, wie sie sich fortpflanzen, wurden erst in den vergangenen Jahrzehnten erlangt. Und die Entdeckungs - Reise ist noch lange nicht zu Ende...
Peter Neumann (Institut für Bienengesundheit, Universität Bern) kritisierte stark die momentane Ausrichtung der Diskussion in der Öffentlichkeit, die die Honigbienen als Faktor für den Rückgang solitärer Bienenpopulationen in den Mittelpunkt stelle. Die Hauptfaktoren hingegen seien ganz klar ausgeräumte Landschaften, Futter und Nistmöglichkeitenmangel sowie die bestimmende Rolle der Pestizide in der (Land-)Wirtschaft.
Peter Neumann betrachtet auch die Honigbiene als Wildbiene – wobei diese wilden Honigbienenvölker im deutschsprachigen Raum durch Verschulden der Menschen ausgestorben sind und in Europa stark gefährdet. Eine Analogie zwischen der Honigbiene und dem letzten wilden Rind Europas, das um 1630 in Polen ausgerottet wurde, zeige dies eindrücklich.
Selbstkritisch beleuchtete der Wissenschaftler auch die Forschenden, die z.B. in Titeln von Artikeln immer noch von "Wildbienen" oder "wild bees" sprächen, wo Solitärbienenarten gemeint seien.
Er schlug mehrere Maßnahmen als gemeinsame Kraftanstrengung vor, um diesen momentanen Kurs des „Gegeneinander“ und Ausgespielt- werdens zwischen Honigbienen- und Wildbieneninteressierten zu verändern:
In der nächsten Zeit wird sich zeigen, wie sich die Bieneninstitute zu diesem Vorschlag positionieren.
Den Evenius Preis für den besten studentischen Vortrag bei der Tagung hat Elisa Kathe bekommen für ihren Vortrag zu einem komplexen Thema, den sie eindrücklich und schön bebildert die Interaktionen von Bakterien in Bienenmagen und -darm herleitete und in dem sie sehr klar die Ergebnisse darstellte.
Den Preis für das beste Poster erhielt Cassandra Uthoff vom Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung (UFZ).
Jana Bundschuh stellte einen vierjährigen Versuch von Forschungsring e.V. und Demeter Beratung vor. Dabei wurde die Entwicklung von Naturschwärmen in Dadant Magazinbeute, Bienenbox, Bienenkiste und Schiffertree (eine Baumhöhlensimulation als Nisthilfe für wilde Honigbienen) an zwei Standorten verglichen (jeweils 4x4 Völker, n=32). Es stellte sich heraus, dass sich die Eingriffsdauern und Anzahl der Standbesuche nicht signifikant unterschieden. Dadant Völker hatten im Durchschnitt der Jahre (inklusive des ersten Jahrs des Schwarmaufbaus) deutlich mehr Honigertrag und benötigten signifikant mehr Futter als die Völker in anderen gemanagten Beutentypen. Die Gewichtsverläufe zeigten eine deutlich höhere Kurve für Dadant, es folgten Bienenkiste und Bienenbox, dann der Schiffertree. Die Überlebensraten waren deutlich reduziert für den Schiffertree. Dies konnte allerdings nicht mit erhöhtem Parasitenaufkommen in den Völkern erklärt werden. Wider Erwarten hatten die jungen Schwärme oft höhere Krankheitslasten als die überwinterten Völker. Es liegt daher für die Diskussion nahe, dass die reduzierten Sammelmengen – entweder aufgrund der Beutengeometrie oder (näherliegend) aufgrund der mangelnden Tracht – der Hauptgrund für die Winterverluste der unbehandelten Völker in den Nisthilfen waren.
Praktische Forschung für die Imkerei stellte Raphael Marx von der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim vor: 12 Zweizargige und 12 einzargige Zandervölker wurden hinsichtlich der Honigfeuchte miteinander verglichen. Bei größerem Brutraumvolumen stieg der Wassergehalt in der Gesamterntemenge des Honigs im ca. 1%. Die Luftfeuchte im Honigraum war bis zu 2,5% höher als bei den Einzargern. Allerdings war der Effekt umgekehrt bei Messungen direkt in verdeckelten Honigwaben. Eine Wiederholung dieses Versuchs wäre wünschenswert.
Henri Greil vom Julius- Kühn- Institut in Braunschweig interessierte sich für die Wirkung von einem veränderten Temperaturregime im Winter (Dez. bis März) auf die Entwicklung von Solitärbienen. Dafür nutze die Forschergruppe nicht die standardmäßig genutzten Mauerbienen als Modellorganimus, sondern grub die Nester von der Großen Weidensandbienen (Andrena vaga) aus. Die Nester, die aggregiert in 30-40cm Tiefe im Boden angelegt werden, wurden ins Labor transferiert. Dort wurden sie temperiert nach i) dem heutigen, ii) einem vergangenen und iii) einem zukünftig prognostizierten Temperaturregime. Die Ergebnisse zeigten, dass sich zum einen die Atmungsrate erhöhte, andererseits auch weniger Larven zum Ende des Winters noch lebten, wenn die Temperaturen höher waren. Die Weibchen waren davon mehr betroffen als die Männchen. Bei Osmien war das Ergebnis dagegen nicht signifikant. Allerdings schlüpften bei höheren Dezembertemperaturen die Tiere früher. Wir lernen daraus, dass es wirklich auf die Art anpasst, wie sie auf die Umweltbedingungen auswirken.
Christoph Kurze von der Universität Regensburg untersuchte die Larvenentwicklung von Erdhummeln und ihre Abhängigkeit von der Temperatur: bei 38°C (höher als unter momentanen Bedingungen) war die Ausprägung der Flügeladern (Flügelmorphologie) deutlich unterschiedlich. Auch das Überleben war reduziert: Weniger Larven entwickelten sich bis zur ausgewachsenen Hummel.
Elisa Kathe untersuchte die Bakterien in Magen und Darm der Honigbiene. Auf genetischer Ebene fand sie Hinweise darauf, dass einige Bakterien sogenannte „tailocins“ produzieren können – eine bakterielle Waffe, mit denen sie andere Bakterien bekämpfen können. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Art der bakteriellen Interaktion unterschätzt sein könnte.
Die relativ große Erdhummel (B. terrestris) und die kleinere Ackerhummel (B. pascuorum) unterscheiden sich hinsichtlich der geschlechtlichen Ausstattung der Drohnen und dem Flugverhalten derselben. Die Drohen der Ackerhummel haben deutlich mehr Spermatozoen und können deutlich schneller und weiter fliegen. Ackerhummel Drohnen legten in einer „Flugmühle“ – einem Gerät, in dem sie eingespannt werden und dann im Kreis fliegen, wodurch die zurückgelegte Distanz messbar wird – im Mittel über 12 km zurück, Erdhummeln dagegen fast 20km.
Yuliiya Kavalova vom JKI Braunschweig untersuchte, wie sich die Hefen- Gemeinschaften in Sonnenblumenblüten unterschieden, wenn sie von verschiedenen Bestäubern besucht wurden. Mit Netzen wurden jeweils die tagaktiven, die nachtaktiven oder alle Bestäuber ausgeschlossen, wohingegen die Kontrollgruppe von zugekauften Erdhummelvölkern kontrolliert bestäubt wurde. Nach der Kultuvierung der Hefen aus Nektar, Luft und Hummelmägen auf Agar Platten im Labor sowie der Analyse ihrer DNA Sequenzen konnte Yuliiya sehen, dass die Hefegesellschaften in den Blüten deutlich weniger Arten beinhalteten, als z.B. auf den Blättern der Sonnenblumen vorkommen. Nektarhefen sind somit recht konkurrenzstark. Da nur die Tagbestäuber die Hefe Meschnikowia reukaufii übertrugen und in der Luft keine Hefen zu finden waren, kann davon ausgegangen werden, dass die Bienen die Überträger dieser Hefeart sind. Auch die Hefen-Komposition in den Mägen der Bienen war von der Präsenz der Nektarhefen beeinflusst. Zukünftige Forschung soll zeigen, ob die Hefen eine Rolle für die Bienengesundheit spielen. Der Verbleib der Nektarhefen im Winter bleibt weiterhin ungeklärt.
Finja Schaumann vom UFZ untersuchte, wie viele Drohnen und Arbeiterinnen bei Honigbienen nicht mehr in das gleich, sondern in ein anderes Volk zurückkehren. Dabei verglich sie das Verhalten von Völkern der dunklen Honigbienen (Apis mellifera mellfera) mit dem von Buckfast Völkern. Der Versuch fand in Schweden statt und nutzte die RFID Chip Methode, um die Bienen zu kennzeichnen und bei der Heimkehr zuverlässig zu identifizieren. Drohnen wechseln das Volk öfter als Arbeiter:innen und häufiger bei der dunklen Biene, wobei die Bienen der Unterart gewöhnlich treu blieben. Auch die Tageszeit, an dem das Verhalten stattfand, war unterschiedlich. Die Individuen, die in das gleiche Volk zurückflogen, hatten ihren Aktivitätshöhepunkt am Nachmittag, wohingegen die wechselnden Individuen eher vormittags zu finden waren.
