Tierethik und Sicheres Arbeiten

Gute imkerliche Praxis

Eine gute imkerliche Praxis ist die Grundlage für erfolgreiches imkern. Wenn es den Bienen gut geht, dann läuft auch die Imkerei. Dabei spielen viele tierethische und moralische Fragen eine Rolle: Was ist das Wesen der Biene und was brauchen die Bienen von uns? Aber auch ein sicheres und effizientes Arbeiten müssen gewährleistet werden. Wie funktioniert das konkret?

Jungvölker - eine Übersicht

Verschiedene Arten der Jungvolkbildung - (c) Jana Bundschuh 2017
Verschiedene Arten der Jungvolkbildung - (c) Jana Bundschuh 2017
verschiedene Arten der Jungvolkbildung 2 - (c) Jana Bundschuh 2017
verschiedene Arten der Jungvolkbildung 2 - (c) Jana Bundschuh 2017

Erste Nachtfröste 2015

http://www.dwd.de/DE/leistungen/bodentemperatur/
Quelle: Deutscher Wetterdienst (2015).

In den Nächten vom 2. und 3. Oktober diesen Jahres gab es im östlichen Brandenburg die ersten empfindlich kalten Nächte mit Bodenfrösten. Was bedeutet das für unsere Bienen? Und für uns Imkerinnen?

Vor allem eines: jetzt wird es ernst. Das, worauf die Bienen sich schon seit Ende Juli vorbereitet haben, steht jetzt unmittelbar bevor. Ein langer Winter.

 

Schon vor bis zu vier Wochen vor den ersten Frösten haben die Königinnen einiger Völker aufgehört, Eier zu legen. Das war vor allem bei den großen Völkern der Fall, die schon eine genügend große Anzahl an Winterbienen hatten. Kleiner Völker ziehen auch jetzt noch fleißig weiter Nachwuchs auf, um ihre Überwinterungschancen zu verbessern. Deutlich ist aber, dass die Brutflächen immer kleiner werden.

Eine weitere ganz offensichtliche Folge des Frostes ist, dass die Bienen nun kein frisches Futter, das von uns Imkerinnen in Form von Zuckersiruop, Zuckerteig oder Honig gefüttert wird, mehr abnehmen.

Das kann sich in den nächsten Wochen, sollte es nochmal etwas wärmer werden, zwar wieder ändern. Trotzdem ist es imkerlich betrachtet nun angeraten, die Völker jetzt vollständig eingefüttert zu haben. Denn jede Arbeit, die bei diesen Temperaturen noch verrichtet werden muss, strengt unsere Bienen umso mehr an - und sie muss von den Winterbienen getan werden. Diese jedoch sollten, um ihre Lebensdauer möglichst lange ausdehnen zu können, möglichst wenig Arbeit tun (vor allem Brut aufziehen und Futter schleppen).

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Imkerwetter - wie Wetterdienste der Imkerei nutzen

App des Norwegischen Wetterdienstes Yr.no, Screenshot
App des Norwegischen Wetterdienstes Yr.no, Screenshot

Wer arbeitet schon gerne im Regen? Obwohl einige Arbeiten in der Imkerei termingebunden sind (bspw. Schwarmkontrollen, Königinnenaufzucht, Ablegerbildung), kann man sich auch viel einteilen. Für solche Planungsaufgaben ist eine verlässliche und präzise Kurzzeitvorhersage essentiell. Was aber braucht ein guter Wetterdienst im Sinne des Imkers noch?

Ein schnell arbeitendes Regenradar mit einer Vorhersagendauer von bis zu zwei Stunden leistet gute Dienste, wenn man entscheiden will, ob man vor dem nächsten Schauer die Honigernte noch abschließen kann oder doch schonmal den Schleuderraum vorbereiten sollte.

Außerdem sind Imkerinnen auch von langfristigen Wetterprognosen abhängig. So sind zur Einschätzung der Volks- und Trachtentwicklung Temperatur- und Niederschlagswerte der nächsten 40 Tage von Bedeutung (das entspricht der Zeit, die vergeht, bis ein Ei zu einer Nektarsammlerin heranwächst). Auch wenn keine so lange Zeitspanne verlässlich abgedeckt werden kann - eine 14- Tage- Vorschau sollte der Wetterdienst schon haben.

Auch eine Rückschau kann von Bedeutung sein, z. B. im Falle eines mäßigen Begattungserfolges. Lässt er sich evtl. durch die Wetterlage Begattungsperiode erklären? Außerdem kann die Witterung der vergangenen Monate zukünftige Blühperioden vorrausahnen: Obstbäume z.B. brauchen einen kalten Winter um auszutreiben, die Blüten dürfen jedoch nicht erfroren sein.

Verlässliche, präzise & umfangreiche Vorhersagen sollte ein Imkerwetter- Dienst also liefern. Welcher Anbieter ist nun aber am besten?

Welche Wettervorhersage am genauesten ist, ist natürlich schwer zu sagen. Da letztendlich alle Dienste auf die gleichen Ursprungs-Wetterdaten zurückgreifen, unterscheiden sie sich vor allem in der Darstellung ihrer Vorhersagen und Daten. Dennoch lohnt sich ein Vergleich.

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Kleiner Beutenkäfer nördlich der Alpen?

momentane Entfernung des Beutenkäfer - Verdachts von Süddeutschland. (c) Jana Bundschuh, 2015, auf Basis von googlemaps.com
momentane Entfernung des Beutenkäfer - Verdachts von Süddeutschland. (c) Jana Bundschuh, 2015, auf Basis von googlemaps.com

Der Kleine Beutenkäfer Aethina tumida hat wahrscheinlich den Sprung über die Alpen geschafft. Ein Verdacht auf Befall besteht bei einem Volk in der Schweiz im Kanton Uri.


Nach Presseinformationen wurde das befallenen Volk bei einem imkerlichen Eingriff gefunden, bei dem vorsorglich Fallen für den Beutenkäfer gestellt werden sollten. Der Befall sei in diesem Fall schon unübersehbar gewesen, da sich in dem Volk ca 400 Larven des Käfers und keine lebendigen Bienen mehr befunden haben sollen.

Die tiefgefrorenen Überreste werden nun tierärztlich untersucht. Ein Sperrgebiet wurde ab 30. März eingerichtet, aus dem kein Material, welches mit Bienen in Berührung gekommen sein könnte, ausgeführt werden darf.

Noch am 27.3. hatte das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit die Situation hinsichtlich des kleinen Beutenkäfers als "Situation in Bewegung. Noch keine unmittelbare Gefahr für die Schweiz, aber erhöhte Aufmerksamkeit notwendig." eingestuft. In Italien war die Rede von einer "weiterhin besorgniserregend[en]" Lage, trotz der letzten Meldungen im Dezember (BLV 2015). Das zeigt, wie schnell die Situation sich ändern kann. Denn viele hatten wahrscheinlich insgeheim gehofft, dass die Situation doch nicht so schlimm sei und der Beutenkäfer sich, wie vor einigen Jahren in Portugal, wieder eindämmen ließe.

Da es vom Kanton Uri in der Schweiz nur noch ca. 160-180 km bis an die Baden-Württembergische Grenze sind, ist nun auch in Deutschland allerhöchste Vorsicht bei der Völkerdurchschau angesagt (siehe Grafik).

Nach Informationen des Urner Wochenblattes gab es im Vorfeld, nach der Bestätigung eines Vorkommens des kleinen Beutenkäfers in Italien, eine Pflicht - Informationsveranstaltung des Verterinäramtes zum kleinen Beutenkäfer für alle Imkerinnen. Vielleicht wäre dies eine gute Idee für ein hießiges Vorgehen, denn möglicherweise wurde nur deshalb der Befall so schnell entdeckt. Denn um diese Jahreszeit herum sollten zwar alle Imkerinnen schon einmal in ihre Völker geschaut haben, wer aber das Problem zum Zeitpunkt der sogenannten "Frühjahrsrevision" in den Völkern noch nicht auf dem Schirm hatte, wird möglicherweise noch ein paar Wochen ins Land gehen lassen, bevor er bei anbrechender Schwarmstimmung seine Völker wieder regelmäßig kontrolliert.


Auf private Initiative hin wurde inzwischen eine Website zum Thema Aethina tumida gegründet, auf der einige Informationen und schöne Bilder vom Züricher Bienenforscher Peter Neumann verfügbar sind (Ebert 2015). Eine staatliche, gezielte Information der Imkerschaft aber fehlt bisher.

Eben diese wäre - gemeinsam mit einem aktiven und staatlich geförderten Fallenstellen die beste Vorgehensweise, um das sich ausbreitende Insekt auf seinen Wegen durch Europa verfolgen zu können und imkerliche Gegenmaßnahmen auch vorbeugend zu verbreiten. Denn mit der anbrechenden Bienen-Saison bricht nun anscheinend auch die Beutenkäfer-Saison an.

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So verhalte ich mich am Bienenstand

Vor Bienenstand in Lüneburg. (c) 2014, Jana Bundschuh
Vor Bienenstand in Lüneburg. (c) 2014, Jana Bundschuh

Bald ist es wieder soweit: Sobald Temperaturen über 12 Grad es erlauben, besuchen wir zum ersten Mal im Jahr ausführlich unsere Bienenvölker. Nicht nur für Erstlinge oder Neuimkerinnen heißt das, sich wieder mit diesen Fragen zu beschäftigen: Was nehme ich mit zu den Bienen, was erwartet mich, wie verhalte ich mich? Zusammenfassen lässt sich all das als gute imkerliche Praxis.

 

Ob Berufsimkerin, Hobbyimker oder Besucherin: Hier finden Sie in aller Kürze die wichtigsten Punkte zum Verhalten am Bienenstand.

wichtigste Ziele:

 

  • Arbeitsschutz
  • Bienen möglichst wenig stören / Verflug vermeiden
  • Räuberei vermeiden
  • Ärger mit Menschen vermeiden

 

1) Arbeitsschutz:

  • lange Hosen
  • festes Schuhwerk / Arbeitsschuhe
  • Stichschutz / Smoker und Stockmeisel immer griffbereit halten

2) Bienen wenig stören / Verflug vermeiden

  • Fahrzeug nicht im Flugverkehr parken
  • Material nicht vor den Fluglöchern, sondern an wenigen Orten zwischen den Völkern abstellen


3) Räuberei und Übertragung von Krankheiten vermeiden

  • Sauber arbeiten: Kein Tropfen Honig oder Futter außerhalb der Völker.
  • Keine Waben / Wabenteile offen am Stand stehen lassen. Materialzargen möglichst immer auf Einzelböden mit geschlossenem Flugloch und abdecken.
  • Material auf Fahrzeug bienendicht halten / Fahrzeugtüren schließen
  • spätestens ab August nicht verteidigungsfähige Völker auflösen

4) Ärger mit Menschen vermeiden

  • nichts am Stand zurücklassen
  • keine Depots anlegen
  • bei Kisten ohne Bienen: Flugloch schließen
  • bei Standräumung alles mitnehmen

Was tun bei Bienenstichen?

Bienen können stechen. Wir alle erleben dies ab und zu auch am eigenen Leib. Ob Schwimmbadbesucher, Berufsimkerin, Hobbyimker oder Besucherin am Bienenstand: Hier finden Sie die wichtigsten Punkte zum Verhalten bei Bienenstichen, die auch einer guten imkerlichen Praxis entsprechen.

  1. Ruhe bewahren

  2. Stachel schnell entfernen

  • Die körperliche Reaktion kann enorm durch eine schnelle Reaktion vermindert werden, da die Giftblase ihr volles Volumen nur in die Haut pumpen kann, solange der Stachel stecken bleibt. Daher einfach den Stachel mit dem Fingernagel wegkratzen. Nicht herausziehen, da dabei die Giftblase ausgedrückt wird. Auf die Geschwindigkeit kommt es an!

  1. körperliche Reaktion genau beobachten:

  • Lokaler Schmerz und starkes Anschwellen der Stiche, auch teilweise Verlagerung der Schwellung ist ganz normal.

  • bei nicht nur lokalen Reaktionen, Unwohlsein, Anschwellen der Lymphdrüsen, leichtem Schwindel, Atemnot etc. sofort anwesenden Personen, Imkern oder Kollegen Bescheid sagen. Ruhepause in Sicht- und Rufweite dieser machen. Im Gespräch bleiben, damit unbemerkte Ohnmacht ausgeschlossen werden kann.

  • Allergische Reaktionen werden erst ab dem zweiten Stich im Leben erwartet, da der Körper erst ab dem ersten Stich Antikörper gegen Bienengift bilden kann. ACHTUNG: Auch erfahrene Imker können irgendwann einmal allergisch reagieren. Daher bei jedem Stich achtsam bleiben.

  • Bei stärker werdenden oder anhaltenden Symptomen den Notarzt (112) anrufen!

    KEIN RISIKO EINGEHEN. Lieber einmal zu viel Notarzt als zu wenig...

 

4. Nachsorge


  • Eine besondere Behandlung der Stichstelle ist nicht notwendig. Normalerweise steigert sich die Schwellung am Tag nach dem Stich und klingt nach spätestens 48 Stunden langsam ab. Oft wandert die Schwellung ein wenig entlang der Blutbahnen und 'sackt ab'. Diese Verlangerung und z.T. Verstärkung der Schwellung ist normal.
  • Es gibt einige Hausmittel zur Linderung des Stichschmerzes und der Schwellung, die aber für den imkerlichen Gebrauch zu aufwendig sind, bei gelegentlichen Stichen in der Freizeit aber helfen können:
    • Kühlen / kalte Umschläge -> lindert die Schwellung enorm, wenn zeitnah nach dem Stich gekühlt wird.
    • Beträufeln des Bienenstiches mit Natron-lösung (z.B. Kaiser-Natron) -> neutralisiert die Säure des Bienengiftes in der Haut und hemmt damit manche der Substanzen, die die körperlichen Reaktionen hervorrufen.
    • Einreiben des Stiches mit einer aufgeschnittenen Zwiebel
    • Quark-Kompresse
    • Einreiben mit Zucker oder Essig
  • Sollte die Schwellung nach mehr als drei Tagen noch immer stark sein oder sich im Kopfbereich befinden und drückenden Schmerz auslösen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 

 

Beeobserver.org kann keine Gewähr für die hier gegebenen gesundheitlichen Ratschläge übernehmen. Bei den geringsten Zweifeln zum Verhalten bei Bienenstichen, rufen Sie im akuten Fall den Notarzt an.

früher Blühbeginn der Hasel

Quelle: ZAMG via DLR-RLP
Quelle: ZAMG via DLR-RLP

Laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes hat die Hasel 2015 relativ früh zu blühen angefangen. Zwar haben bisher erst wenige der freiwilligen Mitarbeiter ihre Beobachtungen gemeldet, aber die ersten Meldungen scheinen aussagekräftig.

Am 22. Dezember traf die erste Meldung einer blühenden Hasel aus dem Breisgau, einer der wärmsten Regionen Deutschlands, ein. Anfang Januar wurden auch aus Mecklenburg gemeldet. Damit blüht die Hasel - nach den bisherigen Angaben - ca. 19 Tage früher als im langjährigen Mittel.

Mittels einer phänologischen Meldestatistik kann die aktuelle Pflanzenentwicklung abgeschätzt werden. Der Deutsche Wetterdienst führt dabei für viele Kulturen Aufzeichnungen, die auch den Imkern nutzen können. Zu diesem besonderen Zweck hat das Fachzentrum Bienen, Rheinland- Pfalz, ein 'Blühphasen - Monitoring' ins Leben gerufen. Die bisher hier eingetroffenen Meldungen decken sich mit den obigen Angaben. 

 

Hier kann man sich eine interaktive Karte anzeigen lassen, die je nach Pflanzenart die unterschiedlichen Meldungen anzeigt. Und das beste ist: Jede Imkerin kann hier ohne vorherige Anmeldung ihre Beobachtungen mitteilen. Langfristig sollen diese Daten dann eine genaue Aussage zum momentanen und zukünftigen Blühgeschehen ermöglichen, so zum Beispiel in Kombination mit den an bestimmten Wetterstationen gemessenen Daten die Blühtermine an diesem Ort vorhersagen.

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